Freitag, 2. November 2007
Der zynische Dienst


Bloggen, werte Leser, ist ein Akt der Gewalt.

Nirgendwo sonst - ausser in Blogs -wetzt man so die rhetorischen Messer. Keiner anderen Beschäftigung wohnt eine derart kreative Brutalität inne :-)

Das wird schnell klar, wenn man sich die Reaktionen auf zynische und sarkastische Aussagen beim gewöhnlichen Blog-Volke vor Augen führt.

Die kaltblütigen Worte der Zyniker lassen die Herzen der Naiven und gutgläubigen Optimisten erbarmungslos ausbluten, während im sarkastischen Feuer der schonungslosen Anprangerung die Hoffnung und die Leidenschaft der rosarote-Brille-tragenden Realitätsverdränger geschmort werden, welche da vergebens hoffen, dass die stechenden Worte des sadistischen Peinigers recht bald für immer verstummen mögen.
Vergebens deswegen, weil keine Täuschung letztlich dem Vernichtungswerk des '' Wahrheits-Fleischwolfs '' entgeht, der da die eigenen Lügen und Masken irgendwann zermalmt und nur die unteilbare, ja unzerkleinerbare, endgültige Realität übrig lässt.

Ja, so ist es meine Freunde ! Blümchen, Herzchen, banale Gefälligkeiten ,aufgesetzte Freundlichkeit und Höflichkeit, das Porzellan und Silber in der heuchlerischen, trügerischen Blog-Küche täuschen oft nur über Wahrheiten hinweg. So sieht und empfindet es der Zyniker.
Seine Einwände sind für Ihn also notwendige Ausblicke auf die Zukunft, welche sich auf der Grundlage selbsttäuschenden Denkens zwangsläufig einstellen werden.
Am fatalsten und zugleich schäbigsten, ist der heuchlerische, ignorante Selbstbetrug, der die Menschen nur noch weiter von ihrem eigentlichen '' Ich '' entfernt und die Wirklichkeit zunächst beiseite schieben soll, um später von Selbiger mit nur noch heftigerer Wucht eingeholt und überrollt zu werden.
Ich selbst hingegen muß aufrichtigerweise gestehen, dass ich das Knirschen des zerbröselnden Selbstbetruges unter dem Wiegemesser meiner zynischen Wahrheiten mit großer Wonne geniesse , und wenn ich Eure realitätsfernen Hoffnungen knete, tut Ihr mir kein bisschen Leid, denn ich denke dabei an die Kehlen der Menschen, die mit ihrer Ignoranz und ihrer unüberlegten Meinungsfresserei die rationale Welt vergiften und damit alles wahrhaft Existenzielle in die Tonne treten und daher drücke ich kräftig und mit wachsender Begeisterung zu.

Ja okay, zugegeben, isoliert betrachtet sind das recht üble Gedanken, wodurch man dem ein oder anderen Zyniker – wohl auch mir - eine gewisse kaltblütige, entfremdende Boshaftigkeit unterstellen könnte.
Eine temporär ausgeweitete Betrachtung hingegen, zeigt jedoch, dass man sich meist durch die ungewollte, zwar leidvolle, aber rechtzeitige Gefühls-Operation durch einen zynischen Neurochirurgen, im Falle einer erfolgreichen Entfernung der selbsttrügerischen Hirntumore - die zuvor fälschlicherweise als memfähige Hirnmasse auf dem
'' Empfindungs-Tomographen '' eingeordnet waren -, viel Leid und hochgradig niederschmetternde Selbsterkenntnis zu einem späteren Zeitpunkt ersparen kann.

Den vorherigen Satz aufgrund seiner vermeintlichen Brutalität einmal zurückgestellt, kann man sich auch etwas gemäßigter mit den Leuten beschäftigen , indem man - in individueller Abhängigkeit natürlich - eine andere etwas unspektakulärere Behandlung ins Zynismus-Programm einspielt, sofern man davon ausgehen kann, dass eine selbständige, mentale Transformation zur gewünschten, realitätsnahen Regenerierung führt, die auf einer zumindest teilweise entgegenkommenden Gedankenapplikation eines ausreichend verständigen Gesprächspartners beruht.
Dies ist jedoch höchst seltenst der Fall.
Und wenn es mal vorkommt, läuft man Gefahr, selbst dem Spott übereignet zu werden, da die vermeintliche Zustimmung meist nicht mehr als heimtückische Ironie eines klugen Blenders darstellt.

Ironie schlägt in diesem Fall jeglichen Zynismus !

Spätestens an dieser Stelle sollte dem aufmerksamen und verständigen Leser klar werden, dass wirkungsvoller, sinnvoller Zynismus und Sarkasmus eine enorme Portion Intellekt, Ideologie, Feingefühl, Menschenkenntnis, sowie unerschütterliche Tapferkeit voraussetzt die mit dem bewußtem Glauben und Liebe an die Menschheit verbunden ist.
Nehmen wir nun zum Beispiel die Art und Weise wie Manche bereitwillig - ja manchmal schon auffordernd , wenn nicht zu sagen penetrant - ihre Empfindungen und Erwartungen wie das Grillgut für den Schwenker zur Disposition stellen. Es wäre verlogen, zu behaupten, der kluge Zyniker wüsste nicht um ihre naive Absicht, das eigene '' Gefühls-Würstchen '' mal kurz und unverbindlich auf einem fremden Rost garen zu lassen, obwohl es hätte einleuchten müssen, dass man sein Grillzeugs nicht in ein zynisches Feuer reinhält, dass Stahl zum Schmelzen bringen könnte.
Der kümmerliche verkohlte Rest ist dem aufrichtigen Zyniker auch nicht anzulasten, da die Betriebstemperaturen bei Ihm vorher bekannt gegeben werden. Zudem ist es unsinnig, dem verkohlten Überbleibsel nachzuweinen, da es sich hierbei ohnehin meist um vergiftetes Gedankengut handelt, welches nur die Masquerade aufrecht erhalten soll .
Der soziale Zyniker – ja, nicht lachen,sowas gibt es auch - mag Schuldzuweisung sowieso überhaupt nicht, da er diese als eine unerträgliche, starrsinnige Blindheit und Beleidigung seiner Intelligenz empfindet, die ihm nebenbei auch noch die Verachtung für seinen so notwendigen Pragmatismus attestiert.
Er erwartet vielmehr, die auf seine Argumentation folgende und hoffentlich unwiderrufliche Erkenntnis über die Ungenießbarkeit dieses falschen Gedankengutes, dass ja -aus seiner Sicht- nur im Unheil enden kann.
Will der kritische, verantwortungsbewußte Zyniker aber nicht in der durchaus möglichen Konsequenz als gewissenloser Tyrann dastehn, der angeblich nur Spott und verbrannte Erde hinterlässt, so muß er rechtzeitig auf die Risiken und Alternativen hinweisen, will er sich hinterher wirksam und nachvollziehbar von dem Vorwurf der ausschließlichen, rücksichtlosen Vernichtung freisprechen. Meist gelingt das aber nicht, da oft schon zu Beginn der Kontroverse, beim störrischen Diskussionspartner entweder nur der verkohlte Rest – also nur die Zerstörung des Notwendigen - und nicht die angebotenen Perspektiven als Resultat gesehen werden, egal wie oft und wie früh man umfangreiche, sinnvolle Optionen und Alternativvorschläge anbot.
Verständlich ! Geht doch mit dem Spott beim tumben Mob leider automatisch aufkommendes Misstrauen in einem Abwasch einher, wodurch es den meisten unmöglich ist, den dahinterstehenden, versteckten Dienst als solchen wahrzunehmen.

Wie auch immer -gestattet sei mir diese Darstellung des weitläufig unerkannten zynischen Dienstes an der Menschheit - die bei den verstehenden, aber leider oft widerwilligen Angesprochenen nicht selten wie ein Misthaufen in ihrer Blog-Küche wahrgenommen wird ,der sie - warum , dass weiß ich allerdings auch nicht - schnell zur Kackmücke werden lässt, die sofort auf den Haufen fliegen , anstatt in Einklang mit dem Zyniker, das - Pardon- scheißende Rindvieh aus dem Raum zu entfernen.

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